Ein glückliche Hand bei der Programmgestaltung, eine gut gefüllte Halle und darin ein Publikum, dass gute Laune mitbringt. Wenn dies zusammenkommt, dann kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. Und so kam es in der TSG-Halle bei der Fremdensitzung der Kleppergarde, zu ihrem 135-jährigen Jubiläum.
Die Extremies, die das Spiel eröffneten durften mal gleich eine Zugabe geben. Stimmungshöhepunkte waren sicher Bernd Lauer, der auch in diesem Jahr als DJ Ötzi auftrat, eine Gratwanderung, weil die Nummer ist eine Wiederholung, aber andererseits auch ein Brenner. Und letzteres sollte sich ergeben, denn eine Polonäse durch die Hall' und über die Bühne, das gab es in dieser Form noch nicht. Bernd, alias DJ Ötzi, war überwältigt.
Bei den Vorträgen räumte Gisela Abels-Lahr mit ihrem Zwiegesprächspartner Rainer Forg die höchsten Phonzahlen ab. Wobei Messdiener Andreas Müller von den "Eiskalten Brüdern als Schlussredner das Sahnehäubchen setzte.
Alles weitere kann man der Bildergalerie entnehmen.
Erstmals leitet mit Martina Kirch eine Frau die Sitzung der Gonsenheimer Kleppergarde - und das macht sie gut.

Im 133sten Jahr ihres Bestehend entschied sich die Kleppergarde für die kleine Turnhalle der TGS als närrisches Wohnzimmer. Richtig gemacht: In der prall gefüllten Halle kam die Kleppergardenfamilie schnell in Stimmung. Das Komitee, ebenerdig, quasi auf Augenhöhe mit den Narren an der Seite residierend machte trotzdem gut auf sich aufmerksam. Sabine Flegel ehrte verdiente Mitglieder. Ein Querschnitt des Abends, der nach Überlänge gegen halb zwei Uhr morgens sein Ende fand, ist in der Galerie zu sehen.
Immer wieder gut. Die Große Prunk - und Jubiläumssitzung in der großen Turnhalle celebrierte Gonsenheimer Fastnachtstradition vom feinsten...
Die Geschichte der Gonsenheimer Kleppergarde ist natürlich eng mit der Geschichte von Gonsenheim verknüpft und diese reicht bekanntlich bis in die späte Jungsteinzeit (2800 bis 2400 v. Chr.) also so rund viereinhalbtausend Jahre zurück.
Da gab es in Mainz, in den Nebenarmen des Rheins, nur Sumpf und Schnaken, während auf den fruchtbaren Ackerböden im schönen Gonsbachtal paradiesische Zustände herrschten. Und dies hätte eigentlich auch bis heute so bleiben können.
Doch irgendwann schlichen mal wieder einige Finther um Gonsenheim herum und wollten unbedingt schauen, was denn wohl auf der anderen Seite der Sümpfe jenseits des Rheins ist.
Die entdeckten dann die ersten Wiesbadener und kamen, mit vor Entsetzen verzerrten Gesichtern, schnell wieder zurück. Da sich diese Finther dann nicht mehr nach Hause trauten, ließen sie sich voller Scham im heutigen Mainz nieder.
Später kamen die Römer, lagerten in Gonsenheim, gingen über den Rhein, sahen Wiesbadner und ließen sich daraufhin dann ebenfalls in Mainz nieder.
Die Gonsenheimer waren immer damit beschäftigt sich ihr Paradies zu erhalten, denn es kamen und gingen viele Herren aber so mancher fügte sich ein, wurde Neu-Gonsenheimer und blieb für immer.
Von den Mainzern wurden die Gonsenheimer hoch angesehen, weil diese ihre Feldfrüchte in der Stadt verkauften.
Und natürlich gab es auch Mainzer Spitzbuben, die immer auf den Gonsenheimer Feldern klauten. Schon deshalb waren in Gonsenheim nicht alle Mainzer hoch angesehen.
Ab 1792 brach auch für die Gonsenheimer eine neue Zeit an, als am 18. und 19. Oktober die Spitzen der französischen Revolutionsarmee Gonsenheim erreichten.
Zwar hielten sich die Gonsenheimer zunächst politisch zurück, doch die Prinzipien der Französischen Revolution Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit überzeugten schließlich die Gonsenheimer und einige zogen dafür sogar mit Napoleon in der Grande Armée in den Kampf.
Von 40 Gonsenheimern fielen ausgerechnet 11 in den Napoleonischen Kriegen.
Gonsenheim gehörte - nach dem Rückzug der Franzosen im Januar 1814 - zu Rhein-Hessen und zum Großherzogtum Hessen-Darmstadt. Die konservative Politik des Großherzogtums stand bald im Gegensatz zu dem seit der französischen Zugehörigkeit eher liberal geprägten Rheinhessen.
1839 gründeten überlebende Gonsenheimer Veteranen zum Andenken an diese liberal geprägte Zeit einen Napoleonverein und setzten mit dem Napoleonstein in der „Pfarrer-Grimm-Anlage“ ein Veteranendenkmal.
Und von Gonsenheim aus startete auch die Märzrevolution 1848/49.
Im Gasthaus „Zum Goldenen Stern“ agierten zwei der bedeutendsten Köpfe der Mainzer Liberalen: Dr. Ludwig Bamberger und Dr. Franz Heinrich Zitz.
Zusammen mit einem Rheinhessischen Freikorps zogen unter ihrer Führung auch Gonsenheimer „Freiheitsmänner“ in den Kampf in die benachbarte (bayerische) Pfalz.
Am 14. Juni 1849 unterlag das Korps allerdings im Kirchheimbolandener Schlossgarten den überlegenen preußischen Kräften.
Als die Kleppergarde Gonsenheim 28 Jahre später gegründet wurde, war die 1856 gegründete Mainzer Kleppergarde bereits 21 Jahre alt.
Nicht alles was aus Mainz kommt ist schlecht und an der Fastnacht fänden wir schon Gefallen sagten sich wohl 1877 in der Gastwirtschaft "Zur Port" unsere Gründungsväter um den damaligen Wirt, Adolf Oehl, genannt „der Jobswirt“ und gründeten die erste und somit älteste der Gonsenheimer Garden unter dem Namen Sparverein Kleppergarde.
Sicherlich war die Mainzer Klepper-Garde mit ihren vierfabbunten Schnitzeluniformen der Gonsenheimer Kleppergarde ein willkommenes Vorbild.
Doch wer die Gonsenheimer kennt, wird Zweifel an der Vorstellung haben, die Gonsenheimer wollten einfach etwas kopieren. Denn im Gegensatz zu der Mainzer Kleppergarde,die ihre Uniform, den „Schnitzel-Bajazz" und die „Klepper“ als Holzschlaginstrumente auf Elemente der alemannischen Fastnacht zurückführt,beruft sich die „Gonsenheimer Kleppergarde“ bei der Namensgebung auf das Pferd,den alten Gaul,kurzum auf „den Klepper“ den sie als Landwirte und Fuhrleute vor „Ihrer“ Gastwirtschaft „Zur Port“ angebunden hatten.
Vor allen Dingen ging es ihnen um den „Spaß an der Freud“ und darum,dass sich möglichst jeder mit einfachen Mitteln eine „Uniform“ selbst anfertigen kann, um beim närrischen Treiben dabei zu sein.
Doch wer die Schnitzeluniformen der beiden Kleppergarden genauer vergleicht, entdeckt noch mehr.
Denn während die Mainzer Kleppergarde,die auf die Kleidung aufgenähten Schnitzel (früher waren es bei beiden Vereinen Papierschnitzel) in der Farbfolge ROT-WEIS-BLAU-GELB, also entsprechend der Reihenfolge der Fastnachtsfarben angebracht werden, hat die „Gonsenheimer Kleppergarde“ mit der Farbfolge GELB-BLAU-WEISS-ROT diese Farben auf den Kopf gestellt.
Und wie durch eine wunderbare Fügung war sie wieder da, die Trikolore, das Symbol für Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.
Oder glaubt ihr denn im ernst, dass ein Gonsenheimer 28 Jahre nach den Freiheitskämpfen eine Uniform der Hessen-Darmstädter, wie die der Prinzengarde, angezogen und „Vivat Latwerje, Hesse Darmstädter sin mir“ gesungen, oder noch schlimmer, eine preußische Uniform gewählt hätte?
– Noch nicht einmal als Persiflage wie dies der Generalfeldmarschall der Mainzer Prinzengarde Harald Faerber ja stets betont!
Doch mit der Freiheit und Unabhängigkeit war es dann am 1.April 1938 endgültig vorbei als Gonsenheim von den Nazis zwangseingemeindet wurde.
Als 1953 auch noch die Füsiliergarde ausgerechnet mit Hilfe der Mainzer Prinzengarde gegründet wurde, bedeutete dies für die Gonsenheimer Kleppergarde nicht nur einen Aderlass, auch die Uniformen des Hessen-Kasseler-Füsilier-Regiment Nr. 80 ließ dies bei so manchem alten Gonsenheimer auch alte Wunden aufbrechen.
Wie gesagt, echte Gonsenheimer nehmen das mit der Freiheit sehr ernst!
Doch wie sagte bereits unser früheres Mitglied Wolfgang Ross in seiner Rolle als PIERROT immer wieder: „Da weint ein Auge und eines lacht“ – Denn schließlich wurde ja auch eine neue Gonsenheimer Garde geboren, mit der wir heute freundschaftlich verbunden sind.
Mit herzlichen Grüßen
Wolfgang Oepen